30. Mai 2020

Ihr Sterne seid uns Zeugen

Unseren Toten

Wind!
Kommst Du nach Osten in Steppe und Sumpf und weiter zum Wolgastrand;
So grüß unsre Toten dort, die Helden im fernen Land.
Sag’:
In der Heimat da blüht jetzt der erste Mohn,
und die Stare im Apfelbaum brüten schon;
Kräftig und hoch steht im Felde der junge Klee
Und die Lerchen steigen und singen wie eh’ und je
Wind, sag es den Toten, sag’ es behutsam und leis;
Wind, vergiß es nicht – sie liebten Deutschland so heiß!

Sterne!
Seht Ihr im Norden das eisige Land und spürt ihr sein tiefes Weh,
so grüßt unsre Toten dort, die Helden in Nordlands Schnee.
Sagt:
In der Heimat da spielt jetzt so manches Kind
Und in goldene Haare greift leiser Wind
Korn wogt im Felde und duftet im ersten blüh’n
Und die Erde steht leuchtend im Maiengrün.
Sterne, sagt es den Toten, sie ruhen in Nordlands Eis;
Sterne, vergeßt es nicht – sie liebten Deutschland so heiß!

Sonne!
Kommst Du nach Westen zum Dünenrand und weiter zum grauen Meer,
so grüß’ unsre Toten dort, die Helden vom deutschen Heer.
Sag’:
In der Heimat beginnt jetzt die schönste Zeit,
wo in schattigen Wäldern der Kuckuck schreit,
Trollblumen leuchten und Löwenzahnflocken weh´n
Und in hellen Farben die Wiesen in Blüte steh´n.
Sonne, sag’ es den Toten, sie ruhen in Düne und Meer;
Sie liebten Deutschland so sehr!

Mond!
Kommst Du nach Libyen und siehst Du den Nil und Afrikas heißes Land,
so grüß’ unsre Toten dort, die Helden im Wüstensand.
Sag’,
daß zu Hause noch immer der Brunnen klingt,
der von uralten traulichen Dingen singt;
Pfingstrosen stehen am sonnigen Gartenzaun
Und dahinter – Frauen, die still in die Ferne schau´n.
Mond, sag’ es den Toten, die Wüste ist stumm und leer;
Mond, vergiß es nicht – sie liebten Deutschland so sehr!
Eines nur, Mond und liebes Sonnenlicht,
eines nur sagt unseren Toten nicht,
verschweigt es tief, Sterne und leiser Wind,
sagt ihnen nicht — daß wir verraten sind

Ursel Peter

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