Christchurch. Einige notwendige Worte

Moschee

Masjid-al-Noor-Moschee von Canterbury, Christchurch (2006)

Sind wir Pazifisten? Nein, und das ist auch notwendig. Denn daß Kameraden in den Medien verunglimpft werden, bedroht oder sogar angegriffen werden, ist die Realität in diesem „freiheitlichsten System, das wir je hatten“ – so behaupten sie es zumindest.

Aber – und ich sage bewußt aber -, es gibt einen Unterschied zwischen der Bereitschaft, sich zu wehren, den Angreifer zurückzuschlagen, und das vermeintliche Lösen politischer Probleme durch den Einsatz von Gewalt. Ganz nüchtern betrachtet, hilft da auch ein Blick in die Geschichte unseres Volkes, der klar aufzeigt, daß der bewaffnete Widerstand gegen ein herrschendes System immer niedergeschlagen wurde. Egal wann, egal von wem. Alle Bemühungen, die herrschende Ordnung mit Waffengewalt abzulösen, sind schlußendlich kläglich gescheitert.

In den 2000er-Jahren gab es eine Gruppe, die sich „C18“ nannte und die versuchte, eine Art bewaffneten Arm aufzubauern. Zuerst richteten sie sich allerdings gegen die eigenen Strukturen, die nicht so wollten wie die „Herren Feierabend-Terroristen“. Aber die Idee von C18 fand auch auf dem europäischen Kontinent Unterstützter. Mitte der 2000er-Jahre unterhielt ich mich mal mit so einem ehemaligen Unterstützter. Der sagte, daß er seit gut zehn Jahren damit nichts mehr zu tun hätte. Er sagte aber, daß er einmal vom BKA wegen einer ganz anderen Sache verhört wurde. Dabei ließen sie erst einmal ihre Muskeln spielen, indem sie ihm genau sagen konnten, wann er wo mit wem welche Waffen in der Hand gehalten hatte. Nach Beendigung der Vernehmung frage er vorsichtig, was denn aus der Geschichte mit den Waffen werden würde. Sie sagten nur: „Ist nicht unsere Baustelle.“ Das nur nebenbei zum Rechtsverständnis des BKA.

Es zeigt aber auf, daß staatliche Stellen involviert waren. Das gibt es nicht nur auf unserer Seite, sondern auch bei der anderen Feldpostnummer: Die ersten Waffen bekamen die späteren RAF-Terroristen von Agenten des Geheimdienstes, bekannt geworden ist auch die Geschichte vom „Celler Loch“ (Terroristen sprengten ein Loch in die Celler JVA). Der Sprengstoff kam indirekt vom System. Von der Verstrickung der Geheimdienste mit der Gruppe um Beate Zschäpe ganz zu schweigen

Aber es gibt auch andere Gründe, bewaffnete Aktionen abzulehnen, speziell wenn sie sich gegen Ausländer richten. Dazu ist es notwendig, den Blick weg von dem zu wenden, was man jeden Tag sieht und was man als Bedrohung für den Zusammenhalt unseres Volkes wahrnimmt. Wenn man sich die Frage stellt, warum hat man die Ausländer überhaupt ins Land gelassen? Aus meiner Sicht gibt es dafür mehrere Gründe. Eine ethnisch geschlossene Gruppe kann leichter gleiche Interessen definieren und dann versuchen, diese auch durchzusetzen. Man kann dadurch, daß es mehr Arbeitssuchende als Arbeitsplätze gibt, einen permanenten Druck auf die Arbeitssuchenden ausüben, aber auch auf die, die Arbeit haben. Es gibt noch mehrere Gründe, aber für mich sind das die wesentlichsten.

Hinzukommt, daß es jedem klar sein sollte, daß dadurch, daß eine Gruppe von 40 bis 50 Ausländern getötet wird, dadurch überhaupt kein Problem gelöst wird. Verlassen jetzt alle oder zumindest viele Ausländer Neuseeland? Ich kann jetzt schon sagen: Nein. Also ganz praktisch, Ziel verfehlt, setzen 6, würde man in der Schule sagen. Das Gegenteil passiert, es gibt eine breite Welle der Solidarität gegen dieses Verbrechen. Die Politik, die darauf abzielt, daß Ausländer Neuseeland verlassen, ist auf Jahre diskreditiert. Die Befreiung eines Landes kann immer nur auf politischem Wege geschehen.

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